Ebbe Flut

14.09.2023

Nicht immer wollen die Worte so richtig zusammenpassen. Die Sätze fallen auseinander, das Schreiben tut sich schwer. Schwer fällt es auch mit Naturkatastrophen wie Erdbeben, Schäden durch Wasser und Feuer. Jeder Tote ist ein Toter zu viel, gleichzeitig Zeit die Natur dem Menschen, wo sein Limit ist. Bis zu welchem Punkt kann der Mensch durch seine Intelligenz die Umwelt beeinflussen und bis zu welchem Punkt richtet er Schaden an.

Die Waldbrände rund ums Mittelmeer waren für die Menschheit verheerend. Ich wanderte in Nordportugal durch ein Gebiet, wo es vor sieben Jahren brannte und das Feuer kurz vor dem Dorf gestoppt werden konnte. Die Natur hat sich erholt. Im verkohlten Boden fanden Pflanzen neuen Nährstoff und gedeihen, stehen im grünen Kleid und trotzen der Katastrophe.

Das Erdbeben südlich von Marrakesch war verheerend. Betroffen sind in der Stadt vor allem die Viertel der Armen, so das ehemalige Judenviertel. Versteckt hinter dicken Mauern zeigten diese Häuser ihr Gesicht keinem der Touristen, der über den Platz Jemaa al Fna spaziert. In den umliegenden Souvenirläden ist sicher der eine und andere Ladenhüter zerbrochen. Ersatz wird sich bald finden. Die Anteilnahme der Welt war gross. Hilfskräfte wurden von allen Ländern bereitgestellt und gleichzeitig vom marokkanischen König nicht angenommen. Der Zivilschutz und die Katastrophenhilfe im eigenen Land ist sicher gut vorbereitet und geschult, aber nach einem solchen Erdbeben ist jede Hand, jeder Spürhund und jede Schaufel wichtig, denn es geht um Zeit, kostbare Zeit, um Überlebende aus den Trümmern zu retten. Marrakesch grenzt an den Hohen Atlas. Hier finden sich landschaftlich einzigartige Täler, pittoreske Lehmdörfer und freundliche Menschen. Sie schlafen nach Sonnenuntergang, stehen mit der Sonne auf, denn Strom ist ein Luxusgut. Wasser wird am Dorfbrunnen oder im Bach geholt. Die Anreise mit Fahrzeugen zu den Dörfern ist abenteuerlich, nur mit Geländewagen zu schaffen oder unmöglich. Hier helfen Esel und Maultiere bei der täglichen Arbeit und zum nächsten Wochenmarkt geht der Berber zu Fuss oder mit seinem Lasttier. Diese idyllischen Bilder passen aber nicht in die Prospekte des marokkanischen Fremdenverkehrsbüros und auch nicht in den Kopf des Königs und des Kronprinzen. Durch ein Erdbeben soll nun jedem, ob Freund oder Feind, die Türen zu diesen Menschen geöffnet werden. Welche Fotos würden da bald im Internet kursieren und ein Bild zeigen, das gar nicht zum nach Europa gewandten Maghrebstaat passt. Da lässt man lieber nur die Freunde ins Land und Allah wird es schon richten. In Frankreich hat Marokko seit Monaten aus politischen Gründen den Botschafter abgezogen. Frankreich lässt aber den König in seinem Luxus-Appartement in der Nähe der Champs Elysées gerne weiter leben. Der König spielt die Karte vergessen und dies wird er auch in kürzester Zeit schaffen. Schon heute ist das Erdbeben in Marokko kein Thema mehr bei der Tagespresse.

Die Regierungen in Libyen sind nach der Wasserflut froh, dass in kürzester Zeit Hilfstruppen ins Land reisen konnten. Diese Standen Schaufel bei Fuss für Marokko bereit, so wie die aus Algerien und Tunesien. Jetzt helfen sie gerne ihren Brüdern in Ostlibyen.
Marode Staudämme wird es nicht nur in Libyen geben. In den meisten Ländern sind diese in den Boomjahren der Wasserkraft entstanden, werden zwar kontrolliert und teilweise durch Militär bewacht, Fotoverbot, aber ob auch alle anstürmenden Wassermassen standhalten können, ist gefragt.

Naturereignisse sind da um uns zu zeigen, wer der Herr ist und nicht Menschenleben zu Opfern um die Fassade eines Scheinreichs, das aus der Luxuswohnung in Paris regiert wird gegen den Westen aufrecht zu halten. Allah führt nicht nur die Wege und Entscheidungen eines Königs, sondern der ganzen Menschheit.

Die Menschheit ist bestellt, die Natur zu pflegen und gegenüber ihr Respekt zu zeigen. Schwarze Wolken, schwarz wie die Nacht verfolgen uns. Wir versuchen möglichst schnell zu fliehen, so wie die Schafe vor dem Wolf sich ängstigen. Blitze erhellen den nächtlichen Himmel. Blitze wie einer der die Kuh des Nachbarn erschlug. Der nächste Blitz schlug in die mit Olivenöl erhitze Pfanne von Felicidad. Sie verlor ihr Augenlicht, der Hund neben ihr sein Leben. Die Natur fordert ihre Opfer. Was geschah mit der jungen Hirtin, noch ein Mädchen und deren Herde von Kühen. Der aufsteigende Nebel verschluckte sie und niemand wusste mehr von ihnen. Die Bauern trauerten um die Kühe. Das Mädchen war Waise. So die Geschichten der Bauern, welche den Winter lieben. Nachmittags keine Arbeit auf dem Feld. Freie Nachmittage für Geschichten, Kaffee und Schnaps.