Einkauf
Es
ist wieder Anfang des Monats und meine Rente wurde auf meinem Konto
gutgeschrieben.
Ab in den Supermarkt! Der Kühlschrank ist leer und
die Vorratskammer verdient ihren Namen nicht. Es fehlen
Toilettenartikel, Putzmittel und andere Artikel des täglichen
Bedarfs. Ausserdem brauche ich etwas zu trinken, Kaffee, Käse,
Joghurt, etwas Obst und Gemüse. Nichts davon ist überlebenswichtig,
aber diese Dinge machen das Leben lebenswert und geben mir das
Gefühl, auch diesen Monat ohne Hunger und Durst zu überleben.
Der Einkaufswagen ist nicht voll, doch ich weiss, dass auch dieses Mal wieder eine höhere Zahl aufleuchtet, wenn der Kassierer freundlich fragt, ob ich die Mitgliederkarte habe und ob ich bar oder mit Karte bezahlen möchte.
Dieses Mal sind es 100 Franken und 70 Rappen!
100, das ist eine stolze Zahl. Da hätte ich vor Jahren noch zwei Einkaufswagen füllen können, und zwar von den grossen! Heute nehme ich einen kleinen Wagen, der lässt sich besser durch die engen Gänge zwischen den Regalen fahren. Aber wie bereits erwähnt, wird auch dieser nicht mehr voll für das Geld.
Die 70 Rappen überraschen mich mehr als der runde 100er! Wie komme ich bei meinem Einkauf auf diese 70 Rappen? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Einen knappen Betrag unter 100 mit einer Zahl hinter dem Komma könnte ich ja noch akzeptieren. Dann wären es nicht ganz 100 und ich hätte etwas gespart.
Aber 70 Rappen über dem Hunderter – das fasse ich einfach nicht und will es nicht wahrhaben. Da stören mich die 100 Franken eigentlich wenig, das ist zwar viel Geld für wenig Ware, aber diese unmöglichen 70 Rappen, wo kommen die wohl her?
Zuhause werde ich die gekauften Waren mit der Ticketliste vergleichen, so wie früher meine Mutter. Irgendwo ist ein Fehler, das kann einfach nicht sein. Diese 70 Rappen will und kann ich nicht akzeptieren. Da ist bei irgendeinem Artikel etwas schiefgelaufen.
Heutzutage ist es gar nicht mehr so einfach, die Liste abzuhaken. Bei vielen Artikeln gibt es keinen Preis mehr, sodass man nur raten kann, auf welchen Artikel mit dem komischen Namen der Posten wohl gilt. Nach mühsamer Kleinarbeit habe ich die Liste endlich durch und alle Posten stimmen. Nun noch das Total. Wo ist mein Taschenrechner geblieben? Ach ja, stimmt, so ein Ding hat man heute ja auch auf dem Handy. Sch... auch das Total stimmt. Ich überlege, schaue mir die Rechnung noch einmal von oben bis unten an – und siehe da, ich habe den Übeltäter gefunden: die Mehrwertsteuer!
Übrigens ist mir das Gleiche am kommenden Tag noch einmal passiert. Diesmal aber in einem Restaurant. Die wollten für zwei Pizzen und zwei Getränke 40 Rappen und 70 Franken. Doch nun weiss ich, woher die 40 Rappen kommen, und ich freue mich über meinen vollen Magen.
