Ella Maillart
Wie komme ich zu einer Bücher schreibenden Reisenden, die sich im Jahr 1934 unter grossen Strapazen von Peking nach Kaschmir durchkämpfte? Die Reise hat schliesslich bereits vor über 90 Jahren stattgefunden und führte durch ein Gebiet, das mich eigentlich nicht interessiert. Einer der Hauptgründe ist sicher Nicolas Bouvier, der nicht nur das Vorwort geschrieben hat, in dem er den Begriff Bücher schreibende Reisende kreiert, sondern dessen Reisebücher ich liebe. Wie Bouvier finden sich die Erzählungen der Genferin im Lenos Verlag in Basel. Die Zeit schrieb beim Erscheinen des Buches, es lese sich wie ein Roadmovie, obwohl es auf dieser Reise durch die Wüste weder Strassen, Autos noch Kinos gab.
Ella Maillard wurde am 20. Februar 1903 in Genf geboren. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris vertrat sie die Schweiz im Einhandsegeln. Von 1930 an unternahm sie bis ins hohe Alter zahlreiche Reisen, unter anderem durch die Sowjetunion, Afghanistan, China, Tibet, Indien und Nepal. Sie schrieb, fotografierte und hielt Vorträge über ihre Expeditionen. Sie starb im Alter von 94 Jahren am 27. März 1997.
Ihre Verbotene Reise gilt als eine Reise, in der nichts passiert, doch dieses Nichts wird sie ihr ganzes Leben lang erfüllen. So lautet ein Zitat zu Beginn des Buches. Weitere sehr persönliche Aussagen finden sich zwischen den detaillierten Beschreibungen des Weges und der Menschen, die sie unterwegs trifft. Ihr Reisebegleiter ist der englischen Journalist Peter Fleming, der für die Times schreibt.
Es
ist eine Lust, wieder unterwegs zu sein.
Eine Lust, sein eigener Herr
zu sein.
Ich
habe gar kein Verlangen nach Rückkehr.
Mir wäre es viel lieber,
wenn die Reise das ganze Leben dauern würde.
In
dieser grenzenlosen Wüste, unter diesem flimmernden Himmel, scheint
die Seele sich zu konzentrieren, und einen Augenblick lang fühle ich
mich fern von allem, getrennt von allem, was ich kenne,
und wie
versunken in mir selbst.
Glück
ist der Rausch, der erzeugt wird durch einen Augenblick des
Gleichgewichts zwischen
einer befriedigenden Vergangenheit und einer
verheissungsvollen Zukunft.
Dieses
Ich, das bisher noch nicht die Zeit dazu gefunden hat, etwas
Wertvolles zu vollbringen,
etwas, das über mich selbst hinaus
dauert, mich vor dem Nichts errettet und,
wenn auch in noch so
geringem Masse, dieses Verlangen nach Ewigkeit befriedigt, das in mir
ist.
Selber hat sie sich in einem besinnlichen Moment an ein Gedicht von Charles Baudelaire erinnert:
Mais
les vrais voyageurs sont ceux-là seuls qui partent.
Pour partir,
cœur léger, semblable au ballon.
De leur fatalité, jamais ils
ne s'écartent.
Est sans savoir pourquoi, disent toujours:
Allons!
