Gabun

01.09.2023

Kaum haben wir den Namen der Hauptstadt des Niger gelernt, wird in der hiesigen Presse nichts mehr berichtet, es scheint, dass für Europa kein Interesse mehr da zu sein. Der Name von Libreville als Hauptstadt von Gabun ist gegen Niamey schon etwas einfacher zu behalten, aber wo Gabun liegt und was es dort zu sehen gibt, wissen die wenigsten.

Die Notiz des Militärputsches im Zentralafrikanischen Regenwald nach den irregulären waren war auch in der hiesigen Presse nur so als Nebensache zu lesen. Emmanuell Macron als französischer Präsident versteht die alte koloniale Welt nicht mehr. Noch ein Land, wo sich nach über 60 Jahren Unabhängigkeit die Bevölkerung plötzlich den Kolonialherren nicht mehr zu Dank verpflichtet fühlt.
Es war doch alles so einfach und gut geplant. Damals schenkte Frankreich den einzelnen Kolonien ihre politische Freiheit, setzte als Präsidenten jemanden ein, der Frankreich die Treue schwur und somit sicher im Sessel sass, von Frankreich hofiert und verwöhnt wurde, dafür sich dem Zentralafrikanischen Franc anschloss, der von der Französischen Nationalbank kontrolliert wurde und Handelsbeziehungen zum grössten Teil mit französischen Unternehmern tätigt.
In der Republik Kongo hiess der Vertrauensmann Omar Bongo, geboren als Albert Bernhard Bongo, bevor er sich dank Muammar al-Gaddafi zum Islam bekehrte. Der kleine Mann musste von uns Journalisten immer von unten fotografiert werden, damit seine Grösse von knapp hundertfünfzig Zentimeter nicht zur Geltung kam. Er regierte bis hin zu seinem Tod und natürlicher Nachfolger wurde sein Sohn, der 1959 als Alain-Bernhard Bongo geboren wurde und nun nach 14 Jahren gutem Leben sich ein drittes Mal zur Wahl stellte. Da er bei der Bevölkerung nie beliebt war und als Playboy gilt, wäre es wohl ohne Wahlbetrug zu einer Abwahl gekommen. Aber Ali Bongo wusste dies zu vermeiden, rechnete aber nicht, dass das Volk dank den Ermutigungen anderer afrikanischer Staaten sich nicht einfach so Bescheissen lässt. Bei seiner Ansprache aus dem Arrest sah man seinem Gesicht auch an, dass er es sich gar nicht vorstellen kann, dass sein Volk ihn nicht liebt. Ist sein Traum als Popstar mit dem Tod seines Vaters gestorben, so ist es für ihn selbstverständlich, dass er als Vater aller Gabuner geliebt wird.

Aber das Volk ist es müde, in einem Land zu leben, welches mit Erdöl und tropischem Holz jährlich Milliarden verdient, selber aber von der Hand in den Mund leben muss und froh ist, dass gleich hinter Libreville der Dschungel anfängt. Da gibt es wilde Bananen, wilden Maniok und so manches Getier, das man essen kann.

Der Sturz von Bongo ist indirekt ein Werk des unzufriedenen Volkes, welches in der Kraft des Militärs endlich ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Gemäss Freunden in Gabun, welche ich über WhatsApp kontaktieren konnte, herrscht Freude in der Bevölkerung. Es fallen Schüsse aus den Jagdgewehren als Zeichen des Jubels, was von Europa natürlich wieder anders interpretiert wird. Das amerikanische Auswärtige Amt und seine europäischen Verbündeten sind alle tief schockiert und verurteilen vehement den Machtwechsel. Es ist nun schon das 8. Land in West- und Zentralafrika seit 2020, das versucht eine neue Art von Regierung zu gestalten. Weitere Länder werden folgen. Die ewigen Präsidenten von Ruanda und Kamerun (Wahlen im 2025) haben überstürzt Änderungen in der Führung ihres Militärs vorgenommen. Der Fall Ali Bongo zeigt ihnen, dass sie nicht einmal mehr ihrer eigenen Familie vertrauen können, ist doch der militärisch eingesetzte Übergangspräsident Oligui Nguema ein Cousin von Bongo und er war schon dem Vater treu ergeben. Sofern das Militär das Volk unterstützt und die Regierungsmitglieder mit Koffern vollem Bargeld an der Ausreise hindert, wird das afrikanische Volk vielleicht und nach über 60 Jahren verschleimtem Kolonialismus endlich frei.

Noch unter Ali Bongo gab es ein touristisches Projekt, Gabun mit seinen Nationalparks, seinen im Meer badenden Elefanten und der Grossfischjagd dem Tourismus zu öffnen. Damals war ich als touristischer Berater unterwegs und durfte in mehreren Reisen das Land und deren Bevölkerung kennen und lieben lernen. Wir hatten auch Kontakt mit Omar Bongo, der das Projekt selber leitete und kontrollierte. Bei Temperaturen dank Klimaanlagen von unter 20° warteten wir auf die Audienz. In seinem Büro sass Bongo leicht erhöht hinter einem riesigen Schreibtisch. An den Wänden flimmerten sicher über 20 Fernseher, jeder mit einem anderen Sender eingestellt. Omar interessierte sich für den Fortschritt seines Projektes, für die Anregungen der ausländischen Touristiker und bezahlte die Bemühungen der Europäischen Werbeagentur mit Bargeld, welches er aus den verschiedenen Schubladen seines Schreibtisches zog. Bündel von Geldscheinen verschiedenster Währungen, ausser dem CFA, stellte er vor sich auf den Tisch. Das Geld wird in Plastiktüten gepackt. Wir verabschiedeten uns von Omar Bongo und versuchten möglichst positiv vom Land am Äquator zu berichten, was uns eigentlich leicht fiel, denn, wie bereits gesagt, das Land ist einmalig. Die Covid Krise verursachte, dass der Tourismus lahmgelegt wurde und somit viele Kleinunternehmer vom Taxifahrer über Hotel- und Restaurantbesitzer, Reiseführer und Buschmänner zurück in die Armut mussten.

Ich wünsche allen Gabunern die ich damals kennenlernen durfte und mit einigen von ihnen bis heute Kontakt pflege, dass der Putsch des Militärs, im Namen des Volkes ausgeführt, so verläuft, wie sie es sich wünschen und erhoffen.

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