Kharidschiten

24.08.2025

Die Sekte der Kharidschiten verfügt über eine lange Tradition. Ihre Entstehungszeit fällt in das 25. Jahr nach dem Ableben des Propheten Mohammed. Im Jahr 657 begann die Tragödie der Religionsspaltung mit den Gegensätzen der Sunniten und Schiiten. Die Kharidschiten spalteten sich als erste bewusst und entschieden von den übrigen Gläubigen ab.

Im Mittelalter war diese Sekte über weite Gebiete Arabiens und Nordafrikas verbreitet. Ihre Existenz war stets von den politischen und geistigen Auseinandersetzungen des Islams geprägt. Die Kharidschiten lassen sich als eine radikale Strömung innerhalb des Islams charakterisieren, die sich sowohl von sunnitischen als auch von schiitischen Muslimen unterscheidet. Die von ihr an die Gläubigen gestellten Forderungen waren in Bezug auf die Moral signifikant rigoroser. Es besteht Konsens darüber, dass sie einerseits gefürchtet waren, andererseits jedoch auch Bewunderung hervorriefen. In erster Linie wurden sie von den übrigen Muslimen aufgrund ihrer kompromisslosen Glaubenslehre bekämpft und in abgelegene Gegenden vertrieben. Auf ihrer Flucht gelangten sie in schwer zugängliche Gebiete der Berber. Es erfolgte eine Allianz mit den Stämmen, deren Bekehrung zum wahren Glauben und anschliessender Ansiedlung. Bis heute sind solche Siedlungen im Süden Tunesiens auf der Insel Djerba und in Algerien nachweisbar. Ihre Herrschaft erstreckt sich auf die karge Landschaft des M'Zab mit der Hauptstadt Ghardaia. Dieser Zweig der Kharidschiten wird aufgrund der dort vorherrschenden Landschaft als Mozabiten bezeichnet.

Die Mozabiten sind folglich im nordalgerischen Teil der Sahara ansässig. Die ethnische Zugehörigkeit der Berber ist durch die Verwendung eines eigenständigen Dialekts definiert, während ihre religiöse Orientierung den Ibaditen, einer der zuvor erwähnten Kharidschiten, zugeordnet wird. Das in dieser Gemeinschaft gelebte innige Bekenntnis zum gemeinsamen Glauben konstituiert eine enge religiöse, soziale und politische Gemeinschaft, deren Mitglieder eifersüchtig auf ihre kulturelle Selbstständigkeit festhalten.

Gemäss der Doktrin der Mozabiten wird der Frau eine signifikante Funktion innerhalb der sozialen Struktur zugeschrieben. Sie fungiert als Schutzpatronin der Gemeinschaft. Die Erhaltung der Religion, der Moral, der Sitten und Bräuche sowie der geistigen und materiellen Tradition wird durch die Frauen gewährleistet und findet seinen Ausdruck in der Weitergabe dieser Werte an die jüngeren Generationen, insbesondere an Mädchen. Um die Rolle als treuste Trägerin des altüberlieferten Kulturgutes zu erfüllen, sollte sich die Frau gemäss den traditionellen Vorgaben so wenig wie möglich der heutigen Welt und ihren Versuchungen öffnen.

Die Sippe fungiert als Stütze für die Gemeinschaft und ist, gemeinsam mit dem Imam der Moschee, für die Bewahrung der Religion und der geltenden Ordnung verantwortlich. Die Kinder reifen in einer Sippe heran, die ihnen über die gesamte Lebensspanne hinweg einen signifikanten Rückhalt bietet.
Die Frauen verbergen sich bis in die Gegenwart hinter ihren weissen Umhängen, sodass lediglich ein Auge sichtbar ist, das jedoch alles und jeden beobachtet.

Beni Isguen, eine der fünf Ortschaften im Tal des M'Zab, ist bis heute von einer Mauer umgeben. Die historischen Toranlagen, welche einst den Ein- und Ausgang in die Stadt kontrollierten, wurden aus Palmenholz gefertigt. Von einem der Wachtürme aus bietet sich dem Besucher eine exzeptionelle Aussicht auf die Stadt sowie den sich mehrere Kilometer von der Stadt entfernt erstreckenden Palmenhain. Zwei Hauptwege durchziehen die Gärten. Die Funktionsweise der Schöpfbrunnen erfolgt heutzutage durch den Einsatz von Motorpumpen. In die steile Felswand ist eine Moschee gehauen. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Friedhof. An Tagen mit hohen Temperaturen werden Wasserkrüge vor den Häusern bereitgestellt, um den Passanten die Möglichkeit zur Erfrischung zu bieten.

Die Mozabiten haben es durch ihren Mut und ihre Ausdauer geschafft, die raue Natur zu überwinden und sich einen Garten Allahs auf Erden zu schaffen.

Auf dem Hauptplatz der Stadt Beni Isguen finden täglich öffentliche Versteigerungen von Teppichen und anderen Gegenständen statt, mit Ausnahme der Wochenenden und Feiertage. Die unterirdische Moschee, in der sich kleine Sandbecken für die rituellen Waschungen der Gläubigen befinden, kann von Besuchern ausserhalb der Gebetszeiten mit gebührendem Respekt besichtigt werden. Es wird angenommen, dass eine andere Moschee, deren unregelmässiges Gewölbe in einem wunderbaren blauen Licht schimmert, Le Corbusier zum Entwurf von Ronchamp inspiriert hat.

Diese und weitere Sehenswürdigkeiten können Besucherinnen und Besucher bei einem Spaziergang durch die Stadt und mit Hilfe des offiziellen Stadtführers entdecken, sofern dieser einen guten Tag erwischt hat und auf die Besucher nicht zu herrisch wirkt.