Reiseschriftsteller
Ich
habe es getan, ich habe es gewagt. Nach über 40 Jahren habe ich die
letzten beiden Karl-May-Bücher aus meiner Büchersammlung gelesen.
Ich bin mir selbst auf die Spur gegangen und wollte wissen, was mich
damals so an den Abenteuerbüchern Karl Mays gefesselt hat.
Überreuter
veröffentlichte 71 Bände, die mit dem Band "Durch die Wüste"
begannen. Ich besitze noch Band 4, "In den Schluchten des Balkan",
und Band 5, "Durch das Land der Skipetaren". Ehrlich gesagt hätte
ich nach dem Lesen der beiden Bände gerne gewusst, wie es mit dem
Schut weiterging, doch zwei Bücher sind Erfahrungen genug.
Karl
May wurde 1842 in Ernstthal in Sachsen geboren. Er wuchs in einer
armen Familie auf und hatte eine schwierige Kindheit. Als junger Mann
wollte er Lehrer werden. Aufgrund verschiedener Probleme und
Straftaten verbrachte er jedoch einige Jahre im Gefängnis. Danach
begann er, Geschichten zu schreiben.
Mit
seinen Abenteuerromanen wurde er schliesslich sehr berühmt.
Besonders bekannt wurden die Figuren Winnetou und Old Shatterhand vom
amerikanischen Kontinent sowie Kara Ben Nemsi mit seinem Freund
Hadschi Halef Omar aus dem Orient und der Wüste. Interessant ist,
dass Karl May über den Wilden Westen und den Orient schrieb, obwohl
er diese Gegenden zunächst gar nicht selbst besucht hatte. Später
reiste er jedoch tatsächlich nach Amerika und in den Orient. Er
starb im Jahr 1912 in Radebeul bei Dresden.
Karl
May hatte ein schwieriges Leben, wurde aber durch seine Fantasie und
seine Abenteuerbücher zu einem der bekanntesten deutschen
Schriftsteller.
Während Karl May viele seiner Abenteuer aus Büchern und seiner Fantasie entwickelte, war Sir Richard Francis Burton ein grosser Reisender, Forscher und Soldat, der unter anderem in Indien, Arabien und Ostafrika mit Sansibar und Tansania unterwegs war. Als ich Kara Ben Nemsi las, kam mir Burton in den Sinn und ich erinnerte mich auch an seinen Begleiter John Hanning Speke, der den Viktoriasee zu entdecken glaubte.
Könnte
es sein, dass Karl May unter anderem auch die Bücher dieser beiden
Abenteurer gelesen hat und so seine Fantasie für seine Bücher
genutzt hat?
Das wäre vielleicht eine Doktorarbeit für einen
eifrigen Studenten, aber nicht meine Aufgabe. Ich lese lieber die
Reiseberichte und lasse dabei ebenfalls meiner Fantasie freien Lauf.
Sicher ist jedoch, dass sich beide stark für fremde Länder,
Kulturen und Abenteuer interessierten.
Während ich meine Bibliothek aufräume, gewisse Bücher aussortiere und andere zuerst nochmals lese, kam mir nach Karl May ein weiterer Reiseschriftsteller in die Hände. Ilija Trojanow ist ein deutsch-bulgarischer Schriftsteller, Übersetzer und Publizist, der besonders für seine Reiseromane bekannt ist. Er wurde 1965 in Sofia, Bulgarien, geboren. Er verliess sein Geburtsland, als er noch ein Kind war, und wuchs unter anderem in Deutschland und in Kenia auf. Trojanow ist viel gereist und beschäftigt sich in seinen Büchern mit anderen Kulturen und Migration. Sein wohl bekanntestes Buch ist "Der Weltensammler", das im Jahr 2006 erschien. Darin geht er den Reisen von Sir Richard Francis Burton im 19. Jahrhundert nach. Die fast gleiche Geschichte wurde ein Jahr später als Luxusausgabe unter dem Titel "Nomade auf vier Kontinenten" im Eichborn Verlag veröffentlicht. Hier wird Burton in grüner Farbe zitiert und Trojanows eigene Geschichte schwarz auf weiss erzählt. Mir lagen beide Bücher vor, doch habe ich mich auf die Lektüre des letzteren festgelegt.
Hier beschreibt er auch die Pilgerreise Burtons als Muslim nach Mekka und Medina und fasst seine eigene Pilgerreise, welche er mit muslimischen Indern im Jahre 2006 unternahm. Die gesamte Reise als Pilger ist in seinem Buch "Zu den heiligen Quellen des Islam" in Serie Piper, Band 4609, erschienen. Dieses Buch werde ich erst auf meiner eigenen Reise nach Saudi Arabien lesen und vielleicht gibt es dann einen Vergleich zwischen Burton, Trojanow und Stauffer.
