San Marco Argentano
Die Fähre von Sizilien zum italienischen Festland ist im Vergleich zur Fähre von Tunis nach Palermo sehr teuer, aber es gibt keine andere Möglichkeit, und die Meerenge mit einer Brücke zu überbrücken, scheitert wohl nicht nur an den geographischen Gegebenheiten. Von früheren Reisen kenne ich die Küstenstrasse, die von Villa San Giovanni nach Norden führt und so nehmen wir entgegen unserer Gewohnheit die Autobahn, die durch zahlreiche Tunnel hoch über der Küste in das flache Land um Gioia Tauro führt. Ab hier geht es wieder auf Nebenstrassen unserem ersten grossen Ziel entgegen, Matera. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auf dem sich beeindruckende Landschaften abwechseln. Mehrere Nächte verbringen wir unterwegs am Tyrrhenischen und später am Ionischen Meer.
Es
gibt einige Orte, die hier einen Platz im Blog verdient hätten, aber
es sind schon einige Wochen vergangen und im Nachhinein bleiben
einige Ereignisse in Erinnerung. Die SS18 führte uns durch im Winter
menschenleere Badeorte, in vielen war die vorhandene Infrastruktur
noch geschlossen. Bei Terme Luigiane bogen wir dann ins Landesinnere
ab und schon im Ort selbst erwarteten uns die ersten Kurven. Die
Strasse führte uns stetig bergauf, der Peugeot J9 im zweiten Gang
schnurrte gemütlich vor sich hin und nahm Höhenmeter um Höhenmeter
unter die Räder. Wir waren allein auf der SS283. Als SS, Strada
Statale werden in Italien Strassen von nationaler Bedeutung
bezeichnet. Die SS283 hat ihre Bedeutung an die parallel verlaufende
Autobahn verloren. Kein Verkehr, den wir mit unserem Tempo hätten
behindern können, kein Gegenverkehr. Unterwegs fanden wir am
Strassenrand ein Plätzchen, um uns zu erfrischen. Die J9 konnte sich
ein wenig ausruhen und abkühlen. Nach etwa 20 Kilometern ging es auf
der anderen Seite bergab und rechts der Strasse tauchte ein Ort auf,
der wie ein Adlerhorst über dem Tal thronte:
San Marco Argentano.
Von der Strada Statale führt eine steile Serpentinenstrasse zum
Platz vor der Kathedrale San Nicola di Mira. Wikipedia verrät uns in
knappen Worten, dass die süditalienische Stadt ein Bischofssitz in
Kalabrien in der Provinz Cosenza ist und knapp 7000 Einwohner zählt.
Der Stadtrundgang führt durch stille Gassen und über Plätze,
vorbei an einst wohlhabenden Häusern bis zum Wehrturm, der
allerdings nur vormittags zugänglich ist. Die Geschichte besagt,
dass der spätere Herzog Robert Guiskard um 1050 den strategisch
günstig gelegenen Ort als Sitz für sich und seine 60 Mann starke
Truppe einnahm und den erwähnten Wehrturm errichten liess.
Etwa 400 Jahre später wurde der spätere Heilige Franziskus von Paola in das hiesige Kloster gebracht, in dessen prächtiger Kirche er als 15-Jähriger sein Gelübde ablegte.
Heute ist der Ort vor allem für die Herstellung des Butirro-Käses bekannt. Er ähnelt dem Burrini aus Apulien und wird aus der Milch von Kühen hergestellt, die vor einem Jahr gekalbt haben.
Viel mehr verrät uns das Internet nicht, und auch das Informationsbüro beim Wehrturm ist geschlossen, ebenso wie viele der Bars. Am Ende der Piazza Vincenzo Selvaggi finden wir ein Lebensmittelgeschäft, das im hinteren Teil auch Tische hat und Menüs anbietet.
Gestärkt geht die Fahrt weiter durch herrlich grüne Landschaften bis in die Ebene von Sibari am Ionischen Meer.