Wüstensöhne

16.08.2026

Der Erste Weltkrieg war ein globaler Konflikt von 1914 bis 1918, der Millionen Menschenleben forderte und die politische Landkarte Europas grundlegend veränderte. Unmittelbarer Auslöser des Krieges war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand durch einen serbischen Nationalisten. Dies löste eine Kette von politischen Entscheidungen und Mobilmachungen aus. Langfristige Ursachen waren imperialistische Spannungen, Wettrüsten, Nationalismus und die komplexen Bündnissysteme in Europa. Die europäischen Mächte waren in zwei Blöcke geteilt: die Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien) und die Entente (Frankreich, Grossbritannien und Russland; später kamen Italien und 1917 die USA dazu).

Das ist das, was wir, wenn überhaupt, in der Schule über den Ersten Weltkrieg lernen. Deutschland verlor, das Osmanische Reich versiegte und daraus entstand die heutige Türkei. Grossbritannien nimmt sich den Nahen und Vorderen Orient unter seine Kontrolle und schafft somit die Landverbindung zur Indischen Kolonie. Frankreich übernahm Nord- und Westafrika und Russland weitete seine Macht über die Satellitenstaaten aus. Der eigentliche Krieg fand in Europa statt. In den Geschichtsbüchern werden die Orientexpeditionen der Mittelmächte vergessen. Mit wenig Budget hatten sie die Aufgabe, die Entente zu schwächen und vor allem zu verhindern, dass Tausende von Soldaten nach Europa geschickt werden konnten.

Im Nicolai Verlag ist das Buch "Unter Wüstensöhnen: Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg" von Veit Veltze erschienen. Fritz Klein und sein jüdischer Adjutant Edgar Stern-Rubarth spielten dabei eine wichtige Rolle. Die Geschichte liest sich heute, über 110 Jahre später, wie ein Krimi im Stil eines Karl May. Damals begann der Kampf um das Öl, der die ersten Konflikte auf der arabischen Halbinsel, im Irak und im Iran hervorrief. Das damalige Persien war zwischen den Russen im Norden und den Engländern im Süden aufgeteilt. Noch in Friedenszeiten versuchte das Deutsche Reich, seine industrielle Macht in dieser Gegend durch den Bau einer Bahn von Berlin bis Bagdad zur Geltung zu bringen. Die Bahn wurde jedoch nie fertiggestellt, da der Krieg die Beteiligung der Deutschen verhinderte. Doch mit geringem Budget entsandte man einige Militärs, die dann als osmanische Majore und Leutnants osmanische Einheiten befehligten. Ihr Auftrag war es, die englischen Öl-Pipelines am Persischen Golf mit Hilfe einheimischer Berberstämme zu sprengen. Klein gewann die schiitische Geistlichkeit für seinen Auftrag und der Heilige Krieg wurde gegen England erklärt. Doch auch gegen russische Truppen kämpfte Klein mithilfe von arabischen Stämmen. Zu seinen engsten Verbündeten zählten deutsche Archäologen, Ingenieure der Bagdadbahn, Globetrotter und Abenteurer. Es ist eine vergessene Geschichte, die an die Abenteuer des Engländers Lawrence von Arabien erinnert.

Propaganda für Persiens Freiheit, Seite 195:

Mitte des Jahres 1915 trat in der offiziellen deutschen Persienpolitik ein Wechsel ein, der den langgehegten Wunsch des Kommandeurs, nach Persien abzurücken, endlich erfüllte. Noch im mai 1915 hatte Generalstabschef Falkenhayn sich für gebremste deutsche Aktivitäten in Persien ausgesprochen. Solange Serbien noch nicht niedergerungen und damit der Nachschubweg über den Balkan noch verschlossen war, sah sich die deutsche Führung schlechterdings nicht im Stande, den breiten persischen Wünschen nach Lieferung von Waffen und Munition in nennenswertem Umfang zu entsprechen.Trotz dieser Direktive entfaltete der Militärattaché in Teheran, Graf Kanitz, eine rege propagandistische Tätigkeit mit dem Ziel, eine allgemeine persische Erhebung gegen Engländer und Russen in Gang zu setzen. Bei den in Persien weit verbreiteten Hoffnungen, zusammen mit dem starken Partner Deutschland die verhasste russische und englische Herrschaft abzuschütteln, lief Kanitz hier offene Türen ein.

Der Erste Weltkrieg endete am 11. November 1918 mit dem Waffenstillstand von Compiègne. Zuvor hatten bereits Bulgarien und das Osmanische Reich kapituliert, wodurch der Zusammenbruch der Mittelmächte eingeleitet wurde. Der Versailler Vertrag von 1919 bestätigte die Niederlage Deutschlands und seiner Verbündeten und schrieb ihnen die Kriegsschuld offiziell zu.

Die Entente-Mächte gingen als Sieger hervor und konnten nach dem Krieg ihre politischen und territorialen Interessen durchsetzen. So behielten Frankreich und Grossbritannien ihre Kolonialreiche, Italien erhielt Gebietsgewinne und die USA etablierten sich als aufstrebende Weltmacht. Der Sieg der Entente legte den Grundstein für die geopolitische Neuordnung Europas nach dem Krieg und beeinflusste die Bildung neuer Staaten im Nahen Osten und in Vorderasien. England kontrollierte die Erdölgewinnung und setzte Herrscher ein, die in seinem Interesse handelten. Somit war das Jahr 1918 das Gründungsjahr des Reichtums der heutigen Staaten Katar, Kuwait, Oran, Saudi Arabien und der Arabischen Emirate. In den zusammengewürfelten Staaten Iran und Irak war von Anfang an der innere Kampf der verschiedenen Stämme gewollt, wodurch sich England als Schutzmacht aufspielen und die Weltwirtschaft kontrollieren konnte.

Wer das Buch von Veit Veltzke liest, versteht die heutige Lage in den erwähnten Ländern, inklusive Syrien, Jordanien, Georgien, Armenien und Aserbaidschan.
Geschichte bildet uns und lässt uns das Heute verstehen!

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