April 2020

30.04.2020

Meine ersten Blogeinträge noch unter der alten Seite, www.nebenstrassen.com, sind vom Text her sehr kurz gehalten. Aufgrund eines finanziellen Aspektes und um durch Verbesserung der vorliegenden Webseite, fasse ich die früheren Blogeinträge in Monate zusammen:

01.04.2020
In den April schicken bedeutet literarisch übersetzt auf französisch: poisson d'avril. Es gibt natürlich mehrere Theorien, wieso am 1. April wir jemanden einen Streich spielen. Der wohl plausibelste ist, dass bis Mitte ins 16. Jhd. der Jahresanfang auf den 1. April fiel und die Menschen damals zur Neujahrsfeier mit Familien, Freunden und Bekannten Geschenke austauschten.
1563 legte dann der französische König, wie bereits andere Königreiche vor ihm, den Jahresanfang auf den 1. Januar. Damals war aber die Kommunikation noch nicht so einfach wie heute, und bis es der letzte Franzose wusste oder verstand, gingen schon mal ein paar Jahre ins Land. Die Teile der Bevölkerung, welche es aber schon wussten hielten dann am 1. April ihre noch unwissenden Mitbürger zum Narren und verspotteten Sie mit falschen und irreführenden Geschenken. 

 03.04.2020
Autobahn ist das vierte Studioalbum der Band Kraftwerk aus Düsseldorf und erschien im November des Jahres 1974:
Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn
Vor uns liegt ein weites Tal
Die Sonne scheint mit Glitzerstrahl
Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn
Die Fahrbahn ist ein graues Band
Weisse Streifen, grüner Rand
Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn
Jetzt schalten wir ja das Radio an
Aus dem Lautsprecher klingt es dann:
(Wir fahr'n auf der Autobahn...)
Fahr'n auf der Autobahn...
Heute fuhr ich von Basel Richtung Zürich auf der normalerweise vollen Autobahn. Ich musste in der Nähe von Brugg meine neue Uniform als Securitas abholen. Freitag vor der ersten Osterwoche, auf der Nord-Süd-Achse, später auf der Ost-West-Achse und keine Autos mit ausländischen Kennzeichen! Keine Deutschen, keine gelben aus den Niederlanden, keine rotbeschrifteten aus Belgien, keine DK, L, F oder sonst bekannte aus den östlichen Ländern. Keine, keine Fahrzeuge mit ausländischen Fahrzeugen! Am exotischsten waren die Autos mit SG, TI und VD! Was machen denn die hier?
Lastwagen ja, Lastwagen fuhren viele, auch mit Länderkennzeichen aus LT, RO, SL, usw. aber auch weniger als gewohnt.
So hat sich auch die Lage auf den Autobahnen geändert und Google muss seine Zeitrechnungen neu berechnen, ich war viel zu früh an meinem Ziel.

18.04.2020
Seit dem letzten Beitrag sind Tage, nein Wochen, genau gesagt, zwei Wochen vergangen. Nicht, dass in diesen etwas über 330 Stunden nichts passiert ist, was eine noch so kleine Aktennotiz rechtfertigt, könnte ich nicht behaupten. Aber, die Zeit vergeht so monoton, dass ich nicht mehr weiss, welcher Tag heute ist und was gestern war oder ist es wirklich wieder eine Woche her....
Was sicher ist, am 14. April wurde mein Sohn Elyas 14 Jahre und heute Sohn Younes 11 Jahre alt. Dann war ich vor Ostern vier Tage an der Autobahngrenze zu Deutschland und habe mitgeholfen den erwarteten Ansturm von Reisenden, vor allem Lastwagen zu lenken. Es kam aber kein Sturm, nur eine schöne bräunlich-rote Farbe in Gesicht und Unterarmen habe ich bekommen....
Ostern war ohne Hasen, denn auch diese drei Feiertage glichen sich wie ein Ei dem andern, also wie die drei Tage davor und die drei Tage danach. Am Ostersonntag war ich im aargauischen Seetal ein Camper holen, das war auch schon alles. Interessant die Zugfahrt. Alleine im Abteil, wenig Menschen in Olten beim Umsteigen, etwas mehr Mitreisende in der S-Bahn, Haltestellen mit Ortsnamen welche mir völlig unbekannt waren. Und zum Schluss eine kurze Busreise bis zum Wagen. Rückreise herrlich auf NEBENSTRASSEN!
Zuerst runter zum Hallwilersee über Beinwil und Seon nach Lenzburg. In Staufen den wohl seit langem miesesten Döner halb gegessen. Über Suhr, Kölliken in den Kanton Solothurn nach Olten. Immer wieder, eine einmalige Fahrt über den Hauenstein und nicht durch den funktoten Tunnel. Auf der Passhöhe zu spät ein Peugeot 403 gesehen, runter ins Baselbiet und über Sissach, Liestal, Pratteln nach Hause.
So schön können NEBENSTRASSEN sein!

25.04.2020
1984, geschrieben von 1946 bis 1948, ist ein dystopischer Roman von George Orwell, in dem ein totalitärer Überwachungsstaat, der durch die Sozialistische Partei Englands (Engsoc) regiert wird, im Jahre 1984 dargestellt wird. Protagonist der Handlung ist Winston Smith, ein einfaches Mitglied der diktatorisch herrschenden Staatspartei, der sich, der allgegenwärtigen Überwachung zum Trotz, seine Privatsphäre sichern will sowie etwas über die reale, nicht redigierte Vergangenheit erfahren möchte und dadurch in Konflikt mit dem System gerät, das ihn einer Gehirnwäsche unterzieht.

Der Titel enthält den Zifferndreher der Jahreszahl 1948 zu 1984 als Anspielung auf eine zwar damals noch fern erscheinende, aber (ähnlich wie Orwells vorangegangener Roman Farm der Tiere) doch eng mit der damaligen Gegenwart verknüpfte Zukunft.

Der Roman wird oft dann zitiert, wenn es darum geht, staatliche Überwachungsmassnahmen kritisch zu kommentieren, wie jetzt zur Coronazeit.

Im 1984 erschienen u.a. auch Der Name der Rose von Umberto Eco, Die Libelle von John Le Carre und Das Geisterhaus von Isabel Allende und
Die unendliche Geschichte von Michael Ende.

1984, Jahr von Michael Jackson's Thriller, von Chris De Burgh (Man on the Line), Queen, Nena, Mike Oldfield, Tina Turner, Liopnel Richie, The Alan Parsons Project, Soundtrack und Sade. All diese Artisten belegen die ersten 10 Plätze der Schweizer LP-Jahreshitparade 1984.

1984, war das Jahr in dem ich die Schweiz verliess und nach Spanien zog. Aus drei Wochen Urlaub wurden es am Schluss fast 20 Jahre in Granada und somit ein Neuanfang mit all seinen guten und schlechten Zeiten. Ein erster Lebensabschnitt, 1961 bis 1984, gehörte der Vergangenheit an. Natürlich können diese 22 Jahre nicht in einen Topf geschmissen werden. Es gelten die Abschnitte Kindheit, Primarschule, Oberstufe, Ausbildung, erste Liebe und erste Trennung, Militär. Die Ereignisse aus dem ersten Lebensabschnitt zu ordnen ist kein leichtes Umfangen. Erste Erlebnisse kennt man nur aus Erzählungen der Familie, aus alten Fotografien in denen man die Personen erkennt, aber weder deren damaliges Sein und Denken einordnen kann. Später vermischen sich die Daten, die Ereignisse. Was war wann?

27.04.2020
Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
Die Sonne schien, mir war ums Herz so froh
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn
Da ging ich hin, um mir das näher anzusehn

Nicht Füttern stand auf einem großen Schild
Und bitte auch nicht reizen, da sehr wild
Erwachsene und Kinder schauten dumm
Und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm
Ich fragte ihn, wie heißt denn dieses Tier?
Das ist die Freiheit, sagte er zu mir
Die gibt es jetzt so selten auf der Welt
Drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt
Ich schaute und ich sagte, lieber Herr
Ich sehe nichts, der Käfig ist doch leer
Das ist ja gerade, sagte er, der Gag
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg
Die Freiheit ist ein wundersames Tier
Und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein

Erschienen ist das Lied bei Polydor im Jahre 1984. Georg Danzer, der am 7. Oktober 1946 in Wien geboren, gestorben am 21. Juni 2007, ist einer der herausragenden Liedermacher nicht nur in Österreich. Das verdankt er nicht allein seinen kritischen und treffenden Texten, sondern auch seiner menschlichen Glaubwürdigkeit. Er hat immer hinter die Fassade gesehen und sich nicht gescheut, in seinen Liedern auch Wahrheiten zu vertonen, die nicht gern gehört werden. Nun zu Coronazeiten erlangen seine Lieder wie Freiheit und Wir werden alle überwacht einen aktuellen Wert. In über 35 Jahren hat sich die Welt in seinen Fundamenten nicht viel verändert.